Arzneimittel richtig anwenden

Arzneimittel nach Anweisung einnehmen -
Wirkung und Sicherheit der Medikamente hängen von der richtigen Einnahme ab

Apothekerin Michaela Orlin zu Gast bei AWO und VdK empfiehlt die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Apotheken

Ein Blick in den Zuhörerraum. Der Vortrag über die richtige Anwendung von Arzneimitteln stieß auf großes Interesse.

Aufschlussreich, lehrreich und kurzweilig war der Vortrag von Apothekerin Michaela Orlin von der Stadtapotheke Schlitz, die auf Einladung der AWO und des VdK am Samstag vor einer aufmerksamen und interessierten Zuhörerschaft im DRK-Gemeinschaftsraum auf der Zinn in Schlitz über die sichere Anwendung von Arzneimitteln referierte. Schnell war klar, dass einiges zu beachten ist, um Wirkung und Sicherheit der Medikamente zu gewährleisten und Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen zu vermeiden.

Der Vortrag begann mit Ausführungen zu den Haltbarkeits- und qualitätsbeeinflussenden Faktoren der Medikamentenlagerung: Zeit, Feuchtigkeit, Luftzutritt, Licht und Temperatur. Orlin empfiehlt Arzneimittel trocken, kühl und lichtgeschützt aufzubewahren und bittet um Beachtung des Verfallsdatums. Abgelaufene Arzneien dürfen nicht mehr eingenommen werden.

Die Einnahme der Medikamente muss nach der Anweisung des behandelnden Arztes erfolgen. Wichtig ist es, die verordnete Dosierung einzuhalten und den Einnahmezeitpunkt zu beachten. Morgens, abends, vor oder nach dem Essen klingt einfach, wird aber oft falsch gemacht. Die Apothekerin erläutert die Bedeutung der Begriffe. Die Einnahme auf nüchternen Magen meint 30 bis 60 Minuten vor oder frühestens 2 Stunden nach einer Mahlzeit. Vor dem Essen bedeutet etwa 30 bis 60 Minuten vorher.
Manche Medikamente wirken besser auf nüchternen Magen, zum Beispiel Schilddrüsenhormone, andere sollten nur mit Nahrung eingenommen werden, um Magenreizungen zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für Schmerzmittel. Milchprodukte, Grapefruitsaft oder Alkohol können die Wirkung mancher Arzneien verändern. 

Orlin weist darauf hin, dass ältere Menschen auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme achten sollen und empfiehlt Medikamente mit Wasser einzunehmen. 

In ihrem Vortrag geht die Apothekerin auch auf die unterschiedlichen Arzneimittelformen ein. Sie beginnt mit der richtigen Einnahme von Brause- und Trinktabletten und erläutert den Unterschied zwischen Filmtabletten und magensaftresistenten Tabletten, Retard Tabletten und Schmelztabletten und zeigt ganz praktisch, wie man die Tabletten auch der Verpackung herausnimmt. Sie stellt auch Hilfsmittel zur Entblisterung vor.
Orlin empfiehlt, Tabletten und Kapseln bevorzugt im Stehen oder aufrecht sitzend einzunehmen um die Speiseröhre nicht zu schädigen und gibt Tipps für die Einnahme bei Schluckproblemen. Das Teilen, Zerkleinern oder Mösern von Arzneimitteln verlangt ebenfalls Sorgfalt. Eine Bruchkerbe bei Tabletten ist keine Garantie für die Teilbarkeit. Magensaftresistente Überzüge werden durch das Teilen zerstört. Medikamente sollen immer einzeln gemösert werden. 

Orlin ging in ihrem Vortrag auch auf die Vor- und Nachteile von flüssigen Arzneiformen ein. Suspensionen oder Sirupe müssen immer vor Gebrauch geschüttelt werden. Verwandt werden soll die beigefügte Dosierhilfe wie zum Beispiel ein Dosierlöffel oder Dosierbecher. 

Ein weiterer Aspekt war die richtige Anwendung von Tropfern. Orlin erklärte anschaulich den Unterschied zwischen Rand- und Zentraltropfern. 

Auch bei Augentropfen gibt es einiges zu beachten. Vor Gebrauch von Augentropfen müssen die Hände gewaschen werden. Die Applikatorspitze darf das Auge nicht berühren. Mehrdosenbehältnisse sollen nur für eine Person verwendet werden. Die Apothekerin hatte auch Applikationshilfen dabei, die sie den Zuhörerinnen und Zuhörern vorstellte. 

In ihrem Vortrag befasste sich Orlin auch mit der richtigen Anwendung von Inhalationsmitteln. Sie beschrieb die Unterschiede zwischen Dosieraerosol und Pulverinhalator und gab Tipps für die Gerätehandhabung. 

Weitere Themen waren die Wirkstoffplaster und der Insulin-Pen. Ungeöffnete Insulin sollen im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius gelagert werden. Insulinpens werden vor Gebrauch vorsichtig gerollt. Die Injektionsstelle muss regelmäßig gewechselt werden.
Die Injektionskanüle muss regelmäßig gewechselt werden. 

Orlin hat in ihrem Vortrag auch darauf hingewiesen, Medikamente nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker zu kombinieren. Auch pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel können Wechselwirkungen verursachen.
Patienten, die bei der Medikamenteneinnahme ganz sicher sein wollen, können die pharmazeutischen Dienstleistungen in der Apotheke in Anspruch nehmen. Die Kosten für eine  professionelle Beratung durch die Apotheke werden von den Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen übernommen. Dies gilt beispielsweise für die Anwendung von Pulverinhalatoren und Dosieraerosolen oder bei Polymedikation. 

Viele ältere Menschen nehmen dauerhaft fünf oder mehr Medikamente ein. Ihr Risiko für arzneimittelbezogene Probleme steigt dadurch stark an. Die Apotheke kann durch professionelle Beratung dazu beitragen, dass die sogenannte Polymedikation wirksam und sicher verläuft. Anspruch auf eine erweiterte Medikationsberatung in der Apotheke besteht alle zwölf Monate. Zusätzliche Termine sind bei einer erheblichen Umstellung der Medikation möglich. 

AWO-Ortsvereinsvorsitzender Karl Happel und VdK-Vorsitzende Heidrun Horn dankten Michaela Orlin herzlich für den umfassenden und gut verständlichen Vortrag. „Wir können viele wertvolle Tipps mit nach Hause nehmen, um unsere Medikamente sicher und wirksam einzunehmen.“

Bericht Hans Bohl





Zurück